SOEDAK2009 --- PREPARE FOR THE LONG RUN

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Titel
Zu den Kontexten von HIV-Neuinfektionen bei schwulen Männern in Berlin zwischen 2003 und 2006. Interviews mit Neuinfizierten
Autor
Michael Bochow1
Abstract
Fragestellung: Seit 2003 wurde in Deutschland eine Zunahme von HIV-Infektionen bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), in einer breiteren Öffentlichkeit diskutiert. Vor diesem Hintergrund wurden unterschiedliche Hypothesen zum tatsächlichen Ausmaß und zu den Gründen des Anstiegs erörtert. Dieses qualitative Projekt hatte zum Ziel, einige Kontexte von HIV-Neuinfektionen bei MSM zu erhellen.
Methodik: Im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit und in Kooperation mit der Berliner HIV-Schwerpunktpraxis Jessen wurden von Juni 2006 bis Mai 2007 dreißig (halbstrukturierte) Interviews mit schwulen Männern durchgeführt, die sich überwiegend in den Jahren 2003-2006 infiziert haben. Die Durchschnittsdauer des gesamten Interviewgesprächs betrug 95 Minuten (Median). Die Interviewpartner waren 24 bis 46 Jahre alt (Median: 34).
Ergebnisse: Auf der Basis der durchgeführten Interviews wurde eine Typologie gebildet, die fünf Gruppen umfasst. Gruppe 1 besteht aus sieben Interviewpartnern, die über mehrere Jahre vor ihrer Infektion wiederholt ungeschützten Analverkehr mit Partnern mit unbekanntem Serostatus hatten. Gruppe 2 umfasst fünf Männer, die mehrfach ungeschützten Analverkehr eingingen, die in der Regel jedoch Safer Sex praktizierten. Gruppe 3 umfasst sieben Männer, die meinen, einen singulären ungeschützten analgenitalen Kontakt mit einem Partner mit unbekanntem Serostatus benennen zu können. Gruppe 4 umfasst fünf Männer, die von sich berichten, die Normen des Safer Sex (Kondomgebrauch bei Analverkehr, Vermeidung von oralem Kontakt mit Sperma) konsequent befolgt zu haben. Gruppe 5 besteht aus fünf Männern, die sich in ihrer festen Beziehung infizierten.
Schlussfolgerung: Eine Mehrheit der Interviewpartner mit HIV-Neuinfektionen berichtet über sporadische oder seltene Risikokontakte, einige verweisen auf eine strikte Befolgung der Safer-Sex-Empfehlungen. Es besteht Diskussionsbedarf hinsichtlich der Weitergestaltung der HIV/AIDS-Prävention unter MSM, inwieweit diesen Untergruppen von Männern in zukünftigen Präventionskampagnen Rechnung getragen werden muss.
Datei SOEDAK_09_OSB5.pdf