SOEDAK2009 --- PREPARE FOR THE LONG RUN

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Titel
Erwartungen an den Arzt - optimale HIV/STD-Prävention aus der Sicht schwuler Männer
Autor
Angelika Wolf1, Julika Loss1, Steffen Taubert2
Abstract
Ziel: Verbesserung der Kommunikation zwischen Ärzten und Männern mit sexuellen Kontakten zu Männern (MSM) hinsichtlich der Prävention von sexuell übertragbaren Krankheiten (STDs) und HIV.
Methodik: Qualitative Studie. Semi-standartisierte Einzelinterviews mit 30 MSM in Berlin und Franken zu vier Themenbereichen. Parallel dazu drei Fokusgruppendiskussionen mit jeweils 6-8 Ärzten, sowie 7 semi-standardisierte Einzelinterviews mit Ärzten zu deren Erfahrungen mit MSM in Beratungen zu HIV/STD-Prävention. Forschungsdesign in Anlehnung an Grounded Theory.
Ergebnis: Der Arzt wird auch im Bereich der Prävention von HIV und anderen STDs (insbesondere Hepatitis C) als kompetenter Ratgeber angesehen. Vom Arzt wird aktuelles Fachwissen und Kenntnisse über in der Szene kursierende Infektionen erwartet. Auf Sexualverhalten und Präventionsmöglichkeiten angesprochen zu werden, solle aber nicht mit Drohungen oder mit dem „erhobenen Zeigefinger“ geschehen, sondern als „Anpieksen“ und als beständiger freundschaftlicher Hinweis praktiziert werden. Bislang scheint die Initiative zum Gespräch über Fragen der Prävention und damit auch über Sexualität eher von Patienten auszugehen.
Bis auf wenige Ausnahmen besteht große Zufriedenheit mit HIV-Schwerpunktpraxen sowohl in Berlin als auch im fränkischen Raum. Viele MSM wollen aber nicht auf Spezialpraxen angewiesen sein, sondern wünschen sich einen besseren Umgang mit schwulen Themen in den Allgemein- und Fachpraxen.
Vor allem im ländlichen Raum ist die Atmosphäre in der Arztpraxis von Tabuisierung, Kommunikationsschwierigkeiten und einer bemerkenswerten Übereinstimmung zwischen Ärzten und Patienten bezüglich der Nicht-Kommunizierbarkeit des Themas Sexualität geprägt. Ärzte in Franken haben mitunter Schwierigkeit, die Codes, die schwule Männer zu Fragen der Sexualität aussenden, zu verstehen.
Schlussfolgerungen: Unter Berücksichtigung der Grenzziehungen ihrer Patienten könnten Ärzte präventive Gespräche mit MSM durchaus offensiver anbieten. Basierend auf den Forschungsergebnissen wird derzeit an der Entwicklung eines modulbasierten Fortbildungscurriculum mit Schwerpunkt auf Kommunikationsstrategien für Ärzte mit Zugang zu MSM gearbeitet. Ein HIV/STD-Präventionszertifikat sollte angestrebt werden.
Das Projekt erfolgt in Kooperation mit dem Kompetenznetz HIV/AIDS sowie mit Unterstützung durch DAGNÄ, DAIG und der BZgA.
Datei SOEDAK_09_OSB1.pdf