SOEDAK2009 --- PREPARE FOR THE LONG RUN

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Titel
Scheitert eine adäquate ökonomische Abbildung der stationären HIV-Fälle durch die G-DRGs an der niedrigen Prävalenz der HIV-Infektion in Deutschland?
Autor
Matthias Stoll1, Deutsche AIDS Gesellschaft
Abstract
Hintergrund: Die Vergütung stationärer Leistungen im deutschen Gesundheitswesen erfolgt für das Krankenhaus auf der Basis von über eintausend Fallpauschalen (German Disease Related Groups: G-DRG). Diese werden jährlich anhand einer Stichprobe von knapp 2 Millionen Behandlungsfällen aus derzeit gut 200 Kalkulationskrankenhäusern bewertet und basieren im Mittel auf 1691 Fällen für jede DRG bzw. 68.223 Fällen für eine übergeordnete MDC.
Methodik: Beschreibung und Bewertung der MDC 18A (HIV) anhand der öffentlich zugänglichen Datenbank des InEK im Vergleich zu anderen MDCs und DRGs.
Ergebnisse: Die HIV-MDC 18A unterscheidet sich von den übrigen MDCs: Sie hat die niedrigsten Fallzahlen für MDC (n=752, das 0,011-fache des Durchschnitts) und deren 8 DRGs (94, Range: 22 - 323, das 0,056-fache des Durchschnitts). Die sehr heterogenen und häufig komplexen Krankheitsbilder im Kontext einer HIV-Infektion erfahren daher nur eine Differenzierung in ebenso wenige DRGs wie die Appendektomie (G07A,-B; G22A,-B,-C; G23A,-B,-C). Als Trenner der ökonomischen Fallschwere eignen sich die bestehenden G-DRGs der MDC18A aber nur bedingt, da mehr als die Hälfte der DRGs (S62Z, S63B, S64Z, S65A, S65B) sehr ähnliche Erlöse erbringen (Abb.). Die Entwicklung seit 2005 deutet zwar eine breitere Spreizung an (S01Z, S63A). Dem steht aber eine leichte Abnahme des Casemix-Index (CMI=durchschnittliche ökonomische Fallschwere/Patient) im Beobachtungszeitraum entgegen. Wenig plausibel ist auch eine Zuordnungslogik, die über 60% der Fälle aus der fallzahlstarken, aber erlösschwächeren DRG S63B (Infektion bei HIV-Krankheit ohne komplexe Diagnose oder ohne äußerst schwere CC) dennoch in die beiden höchsten PCCL (Patient clinical complexity level) 3 und 4 gruppiert.

[DRGs]

Schlussfolgerung: Die ökonomische Abbildung der HIV-Infektion durch G-DRG ist weiterhin unbefriedigend, insbesondere die Differenzierung komplexer Fälle und solcher, in denen aufwändige Prozeduren erfolgen. Zahlreiche von der DAIG vorgeschlagene Lösungsansätze scheiterten - oft wegen "zu kleiner“ Fallzahlen - vorwiegend an den Vorgaben des datengetriebenen DRG-Systems sowie an daraus resultierenden datenschutzrechtlichen Bedenken gegen eine weitere Differenzierung.
Datei SOEDAK_09_OSD1.pdf